
Viele Menschen leiden unter Müdigkeit, Energiemangel, Konzentrationsproblemen oder Haarausfall – und hören beim Arzt dennoch:
„Ihr Eisenwert ist in Ordnung.“
In meiner Praxis sehe ich jedoch regelmäßig, dass Eisenmangel übersehen wird, obwohl die Beschwerden eindeutig darauf hinweisen.
Der Grund dafür ist einfach:
👉 Viele Blutuntersuchungen betrachten nur das einfache Serum-Eisen, das wenig aussagekräftig ist. Der wichtigste Marker – Ferritin – wird dagegen häufig gar nicht bestimmt.
Dieser Artikel erklärt, warum Ferritin so wichtig ist, welche Werte wirklich relevant sind und weshalb Symptome trotz „normaler“ Befunde bestehen können.
Was genau ist Ferritin?
Ferritin ist der Speicherwert für Eisen im Körper.
Stellen wir uns Eisen wie Geld vor:
Serum-Eisen = das Kleingeld im Portemonnaie
Ferritin = das Sparkonto
Das Kleingeld schwankt täglich – je nachdem, was wir essen, wie viel Stress wir haben oder zu welcher Tageszeit Blut abgenommen wird.
Das Sparkonto dagegen zeigt, wie gut wir wirklich versorgt sind.
Ferritin ist deshalb der zuverlässigste Marker, um Eisenmangel zu erkennen – auch schon in frühen Stadien.
Warum Serum-Eisen allein nicht ausreicht
Serum-Eisen kann normal oder sogar erhöht sein, obwohl ein echter Mangel besteht.
Gründe dafür:
Tageszeitliche Schwankungen
Ernährung unmittelbar vor der Blutabnahme
Akute Entzündungen
Menstruationszyklus
Stress
Leberstoffwechsel
Deshalb ist Ferritin der Schlüsselwert – und nicht das Serum-Eisen.
Warum ein „normaler“ Ferritinwert trotzdem zu niedrig sein kann
Viele Labore verwenden sehr breite Referenzbereiche, z. B.:
Ferritin: 10–300 ng/ml
Das bedeutet lediglich:
95 % der Menschen liegen irgendwo in diesem Bereich.
Was es nicht bedeutet:
Dass Werte im unteren Bereich automatisch optimal für Energie, Immunsystem oder Haargesundheit sind.
👉 Die Realität:
Viele Menschen mit Ferritin unter 30–50 ng/ml haben bereits deutliche Symptome:
Müdigkeit
Kurzatmigkeit bei Belastung
Schlafprobleme
Infektanfälligkeit
depressive Verstimmung
kalte Hände und Füße
Haarausfall
brüchige Nägel
Restless-Legs-Symptome
Insbesondere Frauen sind betroffen – durch Menstruation, Schwangerschaften, Stillzeit und Stress kommt es schnell zu einem chronischen Defizit.
Warum Optimalwerte wichtiger sind als Referenzwerte
Referenzwerte spiegeln den Durchschnitt der Patienten wider, die Blut abgeben – und dieser Durchschnitt ist nicht unbedingt gesund.
Viele Menschen liegen gerade so im „Normbereich“, fühlen sich aber trotzdem nicht leistungsfähig.
Optimalwerte orientieren sich dagegen an:
stabiler Energie
guter Schlafqualität
gesundem Stoffwechsel
funktionierender Schilddrüse
gutem Immunsystem
mentaler Klarheit
Für Ferritin gelten häufig:
unter 20 ng/ml → klarer Mangel
20–50 ng/ml → häufig Symptome
50–100 ng/ml → guter Bereich
über 100 ng/ml → bei vielen Menschen optimal
Natürlich wird immer individuell entschieden, aber diese Bereiche zeigen gut, warum „normal“ nicht automatisch „gut versorgt“ bedeutet.
Ferritin und die Verbindung zu anderen Werten
Um den Eisenstoffwechsel ganzheitlich zu verstehen, reicht Ferritin allein nicht immer aus. Je nach Situation können weitere Marker sinnvoll sein:
Transferrin (Transportprotein)
Transferrinsättigung
CRP (Entzündung kann Ferritin künstlich erhöhen)
Hämoglobin
MCV & MCH (Hinweise auf Blutbildungsstörungen)
Gerade Entzündungen sind wichtig zu berücksichtigen:
Wenn Ferritin hoch ist, aber Entzündungswerte ebenfalls, kann ein „maskierter Eisenmangel“ vorliegen.
Warum Eisenmangel bei Frauen so häufig ist
Es betrifft besonders:
Frauen mit stärkeren oder langen Menstruationsblutungen
Frauen nach Schwangerschaften oder Stillzeit
Sportlich aktive Frauen (Mikroblutungen, höhere Anforderungen)
Vegetarierinnen/Veganerinnen
Menschen unter Dauerstress (erhöht Verbrauch & hemmt Aufnahme)
Menschen mit Darmproblemen (Resorptionsstörungen)
Selbst leichte Verluste über Monate können Ferritin stetig absenken.
Warum Müdigkeit trotz „normalen“ Blutwerten bestehen bleibt
Viele meiner Patientinnen und Patienten sagen:
„Ich weiß nicht, warum ich so müde bin – meine Blutwerte sind normal.“
Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich häufig:
Ferritin liegt „im Referenzbereich“, aber nicht im optimalen Bereich
es wurde nur Hämoglobin gemessen
Serum-Eisen war „unauffällig“, aber ohne Aussagekraft
Stress, Schlafmangel oder Entzündung beeinflussen die Werte
die Schilddrüse ist nicht optimal eingestellt
Mikronährstoffe wie B12, Folsäure oder Vitamin D fehlen zusätzlich
Gerade Müdigkeit entsteht oft multifaktoriell – Ferritin ist einer der wichtigsten, aber nicht der einzige Baustein.
Fazit
Ferritin ist ein zentraler Marker für Energie, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.
Ein „normales“ Ergebnis bedeutet nicht zwingend, dass genügend Eisenreserven vorhanden sind – besonders dann nicht, wenn Beschwerden wie Müdigkeit, Haarausfall oder Infektanfälligkeit bestehen.
Eine individuelle und ganzheitliche Betrachtung der Blutwerte schafft Klarheit darüber, ob ein echter Mangel vorliegt oder ob weitere Faktoren eine Rolle spielen.
