
Viele Menschen kommen mit der Aussage zu mir in die Praxis:
„Ich habe beim Hausarzt doch gerade erst ein großes Blutbild machen lassen – alles war in Ordnung.“
Doch bei genauerem Nachfragen zeigt sich:
Ein großes Blutbild ist wichtig – aber es sagt viel weniger aus, als die meisten glauben.
In diesem Artikel erfahren Sie:
Was ein großes Blutbild wirklich beinhaltet
Warum es häufig als „kompletter Gesundheitscheck“ missverstanden wird
Was eine ganzheitliche Diagnostik zusätzlich umfasst
Warum der Unterschied zwischen Referenzwerten und Optimalwerten so entscheidend ist
Weshalb ein persönliches Anamnesegespräch die Basis jeder sinnvollen Laboranalyse ist
Was ist ein großes Blutbild – und was sagt es tatsächlich aus?
Ein großes Blutbild besteht aus den Parametern eines kleinen Blutbildes plus der Differenzierung der weißen Blutkörperchen.
Das große Blutbild umfasst:
Rotes Blutbild: Erythrozyten, Hämoglobin, Hämatokrit, MCH, MCV, MCHC
Weißes Blutbild: Leukozyten inkl. Untergruppen wie Neutrophile, Lymphozyten usw.
Thrombozyten
Es zeigt wichtige Informationen zu:
Sauerstofftransport
Immunabwehr
Blutgerinnung
❗Was viele nicht wissen:
Ein großes Blutbild enthält keine Hinweise auf:
Organfunktionen
Vitamine
Mineralstoffe
Hormone
Entzündungsmarker
Stoffwechselregulation
Herz-Kreislauf-Risikofaktoren
Das bedeutet:
👉 Ein normales großes Blutbild bedeutet nicht automatisch, dass alles in Ordnung ist.
Viele Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Energiemangel, Zyklusprobleme oder Verdauungsbeschwerden bleiben dabei komplett unsichtbar.
Was bedeutet eine ganzheitliche Diagnostik?
Eine ganzheitliche Diagnostik bedeutet nicht, „alles zu messen“, sondern gezielt die Werte auszuwählen, die für die individuelle Situation relevant sind.
In meiner Praxis betrachte ich den Menschen immer als Ganzes. Darauf basierend analysieren wir typische Marker aus folgenden Bereichen:
🔹 1. Mikronährstoffe
Wichtig bei Müdigkeit, Immunschwäche, Stimmungsschwankungen oder Schlafproblemen:
Ferritin, Transferrinsättigung
Vitamin D
Vitamin B12 & Folsäure
Magnesium, Zink, Selen
🔹 2. Hormone
Bedeutsam bei Erschöpfung, Stress, Zyklus- oder Schilddrüsenproblemen:
TSH, fT3, fT4
Estradiol, Progesteron, Testosteron
Cortisol, DHEA-S
🔹 3. Entzündungswerte
Wesentlich bei chronischen Beschwerden:
CRP
Homocystein
CK
LDH
🔹 4. Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risikomarker
Frühindikatoren, die oft nicht standardmäßig gemessen werden:
Nüchterninsulin und Glukose (HOMA-Index)
HDL, LDL, Triglyceride
moderne Risikowerte wie ApoB oder Lipoprotein(a)
Gemeinsame Anamnese – warum sie unverzichtbar ist
Eine gute Diagnostik beginnt nicht im Labor, sondern im Gespräch.
In einem ausführlichen Anamnesegespräch klären wir:
Welche Symptome stehen im Vordergrund?
Wie sieht der Alltag aus (Schlaf, Stress, Ernährung, Belastung)?
Welche bisherigen Befunde gibt es?
Welche Ziele hat der Patient – mehr Energie, Prävention, bessere Schlafqualität?
Erst dann entscheiden wir gemeinsam, welche Werte sinnvoll und zielführend sind.
👉 Nicht jeder Mensch braucht dieselben Blutwerte.
Der Unterschied zwischen Referenzwerten und Optimalwerten
Dieser Teil ist für viele Patienten ein Aha-Moment.
📌 Referenzwerte
zeigen die Werte von 95 % der Menschen, die im Labor getestet wurden
spiegeln den Durchschnitt einer zunehmend ungesunden Bevölkerung wider
sagen nichts darüber aus, ob Sie sich optimal fühlen
📌 Optimalwerte
orientieren sich an Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit
zeigen an, wo Werte liegen sollten, damit Körperfunktionen effektiv ablaufen
sind besonders wichtig bei Themen wie Energie, Schlaf, Vitalität und langfristiger Gesundheit
Viele Patienten hören:
„Alles ist im Normbereich.“
Und trotzdem fühlen sie sich müde, erschöpft, unausgeglichen oder gestresst.
Der Grund:
Zwischen „normal“ und „optimal“ liegen oft Welten.
Warum ganzheitliche Blutdiagnostik so wertvoll ist
Eine umfassende, individuelle Diagnostik ermöglicht:
frühzeitiges Erkennen von Dysbalancen
gezielte, sinnvolle Therapie statt Zufall
Unterstützung für mehr Energie, bessere Schlafqualität und stärkere Immunabwehr
langfristige Gesundheitsprävention statt Symptombekämpfung
Und sie ist die Basis dafür, gemeinsam einen Weg zu finden, der zu Ihrem Leben passt – nicht zur Statistik der durchschnittlichen Laborpopulation.
Fazit
Ein großes Blutbild ist wichtig – aber es erzählt nur einen sehr kleinen Teil der Geschichte.
Wenn Sie sich trotz „normaler Werte“ nicht wohlfühlen, lohnt sich ein genauerer Blick.
Mit einer individuellen, ganzheitlichen Diagnostik können wir feststellen, was wirklich hinter Ihren Beschwerden steckt und welche Werte für Sie persönlich relevant sind.
